| Biergenuß ist ein sinnliches Erlebnis im
wahrsten Sinne des Wortes. Vielleicht nicht so spannend wie ein
Date, aber sicherlich macht es mehr Spaß als Steuern zu
zahlen. Biergenießen sollte eine vielsinnige Erfahrung sein.
Je mehr Sinne daran beteiligt sind, desto besser, gleich ob sie
alle positiv angesprochen werden.
"Sein nobles Bouquet verrät seine ausgewogene Nobless"
Liebe Biergenießer und Kenner. Der Austausch von Informationen
zu einem spezifischen Thema benötigt meist ein spezielles
Vokabular. Auch das Bierge-nießen oder die Bierkennerschaft
hat ihr eigenes Jargon, oder entwickelt es zumindest derzeit.
Aber die Existenz von allzu ernsthaftem oder fremd anmu-tendem
Biervokabular erweckt schnell den Anschein von Snobismus.
Bitte, liebe Bierliebhaber, übertragen Sie nicht den
unter Weinkennern verbreiteten Snobismus zum Bier. Wenn Ihnen
jemand ein Bier in höchsten Tönen lobend anbietet
und sie finden, daß es grauenhaft schmeckt, scheuen Sie
sich nicht ehrlich zu sein. Wenn Sie nicht wissen sollen, was
Sie über ein Bier sagen sollen, erzählen Sie nichts
von "komplexer Fülle und ausgewogener Hopfung in der 3.
Schüttung". Sagen Sie lieber garnichts.
Trotz allem, es bleibt Bier. Nur zur Unterhaltung, Sie erinnern
sich?
Wenn Sie ein Steak grillen (wenn Sie ein Vegetarier sind,
stellen Sie sich einfach etwas adäquates grillbar-nicht-fleischiges
vor), sehen Sie nicht nur das Fleisch braten, Sie hören
das Schmoren und riechen die herrlichen Aromen, die durch die
Umgebung schwirren - Sie sagen vielleicht es ist saftig und
zart - oder Sie sind bei uns zu Gast, dann ist es zäh wie
Leder und trocken wie eine Schuhsohle.
Übertragen Sie jetzt diese Metaphern auf BIER. Wenn Sie
das Bier in ein (sauberes) Glas füllen, hören Sie
auf das Gluckern des einfließenden Bieres und das Geräusch
der entweichenden Kohlensäure. - Trinken Sie noch nicht.
Sehen Sie die Bläschen aufsteigen bis sie im Schaum verschwinden.
Sehen Sie wie der Schaum aufsteigt und über den Höhen
des Glasrandes eine Schaumkrone bildet. Atmen Sie das volle
Bouquet des Bieraromas ein.
Schmecken Sie den Geschmack des Getreides, des Hopfens, des
Wassers und der Hefe. Fühlen Sie die Fülle, den Korpus
des Bieres und das Prickeln der Kohlensäure auf Zunge und
Gaumen. Genießen Sie alle Phasen des Geschmacks.
Es gibt eine gewisse Reihenfolge beim Biergenuß. Wir
empfehlen die nachfolgende Reihenfolge zu übernehmen. Die
Schritte 1 und 2 geschehen separat, ebenso Schritt 5. Die Schritte
2 und 3 erfolgen jedoch gleichzeitig. Ein Teil des Biergenußes
erleben Sie übrigens noch bevor Sie den ersten Schluck
auch nur trinken!
1. Riechen: Prüfen Sie das Aroma und das Bouquet
2. Sehen: Prüfen Sie die Erscheinung, also Farbe
und Schaum
3. Schmecken: Prüfen Sie den Geschmack (erster Eindruck,
Geschmack, Finish)
4. Berühren: Prüfen Sie den Korpus des Biers
5. Reflektieren: Prüfen Sie den Gesamteindruck
Plopp Plop,pffft, pffft
Obwohl Augen, Nase und Mund die Hauptrolle spielen, können
auch die Ohren wertvolle Informationen vermitteln. Bier hören
beschränkt sich jedoch sehr auf das Geräusch der entweichenden
Kohlensäure beim Öffnen einer Flasche (pffft) oder
das Geräusch des zersplitternden Glases, wenn Sie es fallen
lassen.
Wenn Bier beim Öffnen einer Flasche nicht oder nur wenig
zischt, machen Sie sich auf eine recht fade Erfahrung gefaßt.
Wenn es nicht einmal bei Fallenlas-sen der Flasche zischt, macht
nichts (bis auf die Bescherung zum Wegräumen) - dann ist
es Zeit für ein anderes Bier.
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