| Kleine Tierchen auch im Bierchen - Die Hefe
Jetzt kommen wir zu den Lebewesen, die unser bayerischer Willi
noch nicht gekannt hat, weil er noch kein Mikroskop hatte. Der
Hefe.
Hefen sind einzellige Mikroorganismen. Außerdem ist
Hefe eines der wenigen Lebewesen, die sich von Atmung auf Gärung
umstellen kann (Gärung ist das Leben ohne Sauerstoff).
Die Hefe führt nicht nur die alkoholische Gärung
(der in der Bierwürze enthaltene Zucker wird von der Hefe
unter Wärmeentwicklung zu Alkohol und Kohlendioxid) durch,
sondern hat auch großen Einfluß auf den Geschmack
und den Charakter des Bieres.
Innerhalb der Hefen werden zahlreiche Stämme unterschieden.
In der Brauerei werden diese Stämme in zwei große
Gruppen - ober- und untergärige hefe - eingeteilt.
Die Unterschiede zwischen diesen Hefegruppen liegen im der
äußeren Form in der Art der Vermehrung. Untergärige
Hefe sinkt während und am Ende der Gärung zu Boden
(durch die geringe Zelloberfläche). Obergärige Hefe
steigen - durch die Kohlensäure getrieben - wegen der großen
Oberfläche nach oben.
Unterschiede bestehen in dem Vermögen, verschiedene Zuckerarten
zu vergären und in der Bildung von Gärungsnebenprodukten
(Aromastoffe). Obergärige Biere sind deutlich aromatischer
als untergärige.
Obergärige Hefe mag wärmere Temperaturen zwischen
15 und 20° C. Die Verwendung der obergärigen Hefe hat eine
längere Tradition, aufgrund des geringeren Kühlungsbedarfs.
Die untergärige Hefe braucht eine Temperatur von 6 bis
9° C. Solche Temperaturen waren ohne die Möglichkeit zur
künstli-chen Kühlung (also vor Erfindung von Kältmaschinen)
nur im Winter zu erreichen. Man unterschied früher auch
in Winterbier und Sommerbier.
Obergärige Biere, also Biere des alten Typs sind Altbier,
Kölsch und Weizenbier. Zur Gruppe der untergärigen
gehören Pilsener Biere, Lagerbier, Export oder Märzen.
Zwei der bedeutensten Forschungsergebnisse für die Bierherstellung
waren die mikrobiologischen Erkenntnisse von Louis Pasteur und
die Isolation und Zucht von Hefezellen durch den Dänen
Christian Hansen. Durch die Forschung dieser beiden Männer
wurde der Brauprozeß kontrollierbar, der Gärprozeß
reiner und das Bier geschmacklich noch einwandfreier und haltbarer.
Wenn Sie die Geschichte des Bieres aufmerksam verfolgt haben,
erinnern Sie sich bestimmt an die Ägypter, die Brot oder
ungebackenen Brotteig zur Bierherstellung verwendeten. Na, klingelt´s?
Das Hefe-Genie
Ein echter Leckerbissen für die Biologen unter Ihnen:
ein kleiner Einblick in die Welt der Hefen. In dem gesamten
Buch wird zwischen zwei verschiedenen Stämmen von Hefen
(oder auch Saccharomyces - wie der Fachmann sagt) un-terschieden.
Der obergärigen Hefe (oder auch Saccharomyces Cerevisiae)
und der untergärigen Hefe (oder auch Saccharomyces Carlsbergensis).
Carlsberg? Da war doch was ... Genau! Saccharomyces Carlsbergensis
ist nach der großen dänischen Brauerei Carlsberg
benannt worden. Der Sohn des Grün-ders, Jacob Christian
Jacobsen, der unter anderem Louis Pasteur zu seinen Freunden
und Kollegen zählen konnte, hat im Jahr 1875 ein Labor
in der väter-lichen Brauerei eingerichtet. In diesem Labor
wurde im Jahr 1883 die erste Hefezelle isoliert. Emil Hansen
war derjenige, der die Brautechnik revolutio-nierte, indem er
den Braumeistern die Möglichkeit gab, sich für einen
be-stimmten Hefestamm zu entscheiden und diesen beliebig zu
vermehren. Dies hat nicht nur zur Folge, daß die verschiedenen
Biermarken - obwohl sie der gleichen Biersorte angehören
- verschieden schmecken, sondern daß eine einzelne Biermarke
über die Jahre hinweg immer gleich schmecken kann.
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