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Wieviel und welches Bier wird eigentlich getrunken?
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1999 wurden in Deutschland pro Kopf
über 127 Liter Bier konsumiert, was ungefähr einer 0,33-Liter
Dose pro Tag entspricht - und das von jedem Bundesbürger.
Nicht umsonst ist Deutschland Europas Bierland Nr. 2 und
wird nur von den Tschechen übertroffen. 1995 waren es noch
rund 136 Liter, der Biermarkt ist also rückläufig. Allerdings
scheint es, daß die Talfahrt erst einmal gestoppt ist, denn
1999 wurde genau soviel Bier wie im Vorjahr konsumiert.
Groß ist das Interesse der Bier-Industrie am Kauf- und Konsum-Verhalten
der Deutschen, so daß einige interessante Fakten über den
deutschen Biermarkt bekannt wurden.
Pro-Kopf-Bierverbrauch in Deutschland
| Jahr |
Gesamtbier-
verbrauch in Mill. hl |
Bevölkerung
in Mill. |
Liter
pro Kopf |
|
| 1995 |
110,97 |
81,66 |
135,9 |
|
| 1996 |
107,89 |
81,90 |
131,7 |
|
| 1997 |
107,53 |
82,08 |
131,0 |
|
| 1998 |
104,550 |
82,00 |
127,5 |
|
| 1999 |
104,629 |
82,06 |
127,5 |
Quelle: Deutscher Brauerbund e.V
Innerhalb der Bundesrepublik haben die Marktforscher
ein ausgesprochenes Nord-Süd-Gefälle festgestellt, im
Norden wird am wenigsten getrunken, in Bayern - wo auch
die meisten Brauereien ansässig sind - am meisten. Am
häu-figsten prosten sich die Bundesbürger beim Gaststätten-
bzw. Stammtischbesuch zu (54 Prozent). Abends beim Fernsehen
tun dies 41, beim Frühschoppen 40 und beim Essen 38 Prozent.
Das meistgetrunkene Bier ist das untergärige Pils. Sein
Anteil am Gesamtkonsum beträgt ca. 68 Prozent. Obergärige
Sorten wie z.B. Alt, Kölsch oder Weizen bevorzugen ca.
15 Prozent.
Ein Erfolgsrezept des deutschen Bieres ist das deutsche
Reinheitsgebot, das weltweit als Qualitätsmerkmal für
gutes und reines Bier gilt. Denn wie sagte schon Alt-Bundespräsident
Richard von Weizsäcker: "Man könnte froh sein, wenn
die Luft so rein wäre wie das Bier". Das Reinheitsgebot
war, wie so vieles, bereits vor über zehn Jahren ein Diskussionspunkt
für den europäischen Gerichtshof der eindeutig festlegte,
daß auch nicht nach dem deutschen Reinheitsgebot gebraute
Biere in Deutschland verkauft werden dürften. Der Gerichtshof
hatte allerdings nicht mit den deutschen Brauern und den
deutschen Bierkonsumenten gerechnet. Die deutschen Brauer
brauten ihr Bier weiter nach dem über 500 Jahre altem
Reinheitsgebot und der deutsche Biertrinker nahm dies
gerne an. Zwar gibt es auf dem deutschen Biermarkt Biere,
die nicht nach dem deutschen Reinheitsgebot gebraut worden
sind, ihr Anteil am Gesamt-Bier-Markt ist jedoch verschwindend
klein. Anstatt Biere auf dem deutschen Markt zu verkaufen,
die nicht nach dem deutschen Reinheitsgebot gebraut worden
sind, brauen ausländische Brauereien für den Import spezielle
Biere nach dem deutschen Reinheitsgebot.
Der Anteil ausländischer Biere am deutschen Biermarkt
ist nicht sehr groß, sie gelten in Deutschland mitunter
als Bierspezialität, was sich durchaus im Preis widerspiegelt.
Auch wenn der Anteil der ausländischen Biere auf dem deutschen
Markt sehr gering ist, so ist doch jede größere ausländische
Brauerei vertreten. Alle diese Brauereien stellen eine
spezielle Version ihres Bieres her, da die wenigsten von
ihnen mit Gerstenmalz brauen, und statt dessen Mais oder
Reis verwenden. Dieses nach dem deutschen Reinheitsgebot
gebraute Bier findet nur begrenzt Anklang, schafft es
eine Marke jedoch eine bestimmte Absatzzahl zu übersteigen,
so wird diese nicht mehr aus dem Ausland importiert, sondern
in Deutschland im Lizenz- bzw. im Lohnbrauverfahren hergestellt.
So wird zum Beispiel die australische Marke Foster's in
Hamburg bei der Holsten-Brauerei gebraut.
Der Import ausländischer Biere richtet sich in den meisten
Fällen nicht nach dem Absatzverhalten, sondern wird von
den ausländischen Brauereien mit großem Aufwand betrieben,
wobei der Nutzen in keiner Relation zu den Kosten steht.
Dennoch wird ausländisches Bier importiert und es herrscht
ein harter Konkurrenzkampf um den Titel "am meisten
nach Deutschland importiertes Bier" was weltweit
mit einer hohen Qualität des Bieres verbunden wird und
werbewirksam vermarktet werden kann, auch wenn die Absatzzahlen
auf alles andere als ein auf dem deutschen Markt erfolgreiches
Bier schließen lassen.
Die meisten ausländischen Biere sind Lager-Biere, eine
spezielle, untergärige Bierart, die weltweit am meisten
getrunken wird. Deutschland allerdings ist ein Pilsmarkt
was zur Folge hat, das deutsches Bier in fast 150 Länder
exportiert wird. Hauptabnehmer deutschen Bieres ist Italien
mit über 1,6 Millionen Hektolitern im Jahre 1999, gefolgt
von den USA (über 1,4 Millionen Hektoliter) und Gorßbritanien
(über 1,1 Millionen Hektoliter). Die großen deutschen
Brauereien lassen im Lizenzverfahren große Mengen ihres
Bieres im Ausland herstellen. Alkoholfreies deutsches
Bier, wie zum Beispiel Clausthaler, setzt aufgrund seines
einzigartigen Brauvorgangs weltweit Maßstäbe.
Junge Lager-Biere galten in Deutschland als Bier-Spezialitäten
und fanden immer mehr Abnehmer. Zunächst nur in Szene-Gaststätten
vertreten, waren diese bald auch in Getränkemärkten erhältlich.
So nahm der Import ausländischer Lager-Biere immer mehr
zu (z.B. Miller & Corona), aber auch andere ausländische
Spezialitäten (z.B. Ale) wie Kilkenny oder Guinness fanden
ihre Freunde. Die deutschen Brauer erkannten die Zeichen
der Zeit, und so werden heute nicht nur ausländische Biere
von großen deutschen Brauereien im Lizenzverfahren hergestellt,
sondern deutsche Brauer entwickelten eigene Bier-Innovationen
und vertreiben diese nun Deutschlandweit (zum Beispiel
Binding Lager).
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Quelle: BIER FÜR
DUMMIES dt. Ausgabe D.Kann, H. LatzWeber und G.Mühlwitz
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