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Der Brauvorgang
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Das folgende Beispiel für das Brauen von eigenem
Bier ergibt ca. 4-5 Liter. Dies ist nicht viel, hat aber den Vorteil,
daß Sie das ganze einfach in Ihrer Küche herstellen können und
keine speziellen Gerätschaften (extra große Eimer oder Töpfe zum
Beispiel) anschaffen müssen. Sie benötigen die folgenden Menge
an Rohstoffen:
· 900 bis 1000g Malz
· 10g Hopfenpellets (90%iger Hopfen mit 7%iger Alphasäure)
· 10g frische Bierhefe oder 5-10g Preßhefe oder 2g Trockenhefe
Nachdem man alle Gerätschaften zurechtgelegt und gereinigt hat
und über die Rohstoffe verfügt, kann man mit dem Brauen beginnen:
Das Schroten
Damit im Malz die Umwandlung von Stärke zu Zucker besser gelingt,
muß dieser grob geschrotet werden. Es sollte zum einen nur frisch
geschrotetes Malz verwendet werden, zum zweiten bedeutet in diesem
Fall feiner nicht gleich besser.
Das Einmaischen und die Eiweißrast
Nehmen Sie den 6-8-Liter Topf und füllen Sie ihn mit 2 Liter Brauwasser.
Das Wasser muß dann auf exakt 55°C erhitzt werden, was Sie mit
dem Einmach-thermometer kontrollieren können. Rühren Sie nun zügig
das geschrotete Malz in das Wasser ein. Hierbei ist darauf zu
achten, daß die Temperatur nicht unter 50°C fällt. Stattdessen
sollte die Temperatur ziemlich exakt bei 50°C gehalten werden.
Dies bedeutet, daß sie die Temperatur des Herds regeln, und den
Topf auch schon mal von der Platte nehmen müssen. Rühren Sie den
entstandenen Brei, den der Fachmann Maische nennt, von Zeit zu
Zeit mit dem Holzlöffel um. Die Temperatur von 50-55°C muß ungefähr
10-15 Minuten gehalten werden, was einen ziemlichen Balance-Akt
darstellt. Diese Phase wird auch Eiweißrast genannt.
Die Maltoserast
Die Maltoserast dient der Bildung des Alkohols. Sie findet bei
65°C statt und dauert 20 Minuten. Die Temperatur muß, wie schon
bei der Eiweißrast, ziemlich genau gehalten werden. Experten überprüfen
den Verzuckerungsgrad durch die sogenannte Jodprobe (siehe Kapitel
11). Ein erfolgreiche Jodprobe zeigt an, daß die Maltoserast abgeschlossen
ist.
Die Verzuckerungsphase
Die Maische muß nun weiter erhitzt werden, und zwar auf 72°C bis
74°C. In dieser Phase geht es darum, die Maltose in der Flüssigkeit
vollständig aufzulösen. Diese Temperatur muß etwa 30 Minuten gehalten
werden, wobei diesmal Abweichungen von 5°C nicht so schlimm sind,
allerdings korrigiert werden sollten.
Das Abgießen und erste Filtern
Zunächst brauchen Sie einen Filter: Stellen Sie einen Stuhl mit
der Sitzfläche auf einen Tisch. Den Bindfaden spannen Sie nun
etwa 2cm unter dem Stuhlbeinende um alle 4 Füße. Jedes Bein sollte
dabei ein paarmal umwickelt werden da die Schnur eine große Last
tragen muß. Auf die Schnur spannen Sie nun, zum Beispiel mit Wäscheklammern,
eine Windel. Unter die Windel kommt der 3-4 Liter Topf oder der
Plastikeimer.
Die Maische wird nun nicht einfach aus dem Topf in die Windel
gegossen, sondern filtriert. Die festen Bestandteile der Maische
verteilen Sie dabei mit einem Schaumlöffel auf der Windel. Danach
wird die Flüssigkeit vorsichtig und langsam auf der Windel verteilt,
so daß sie langsam durch die festen Be-standteile der Maische
sickert. Sorgen Sie mit dem Schaumlöffel dafür, daß die Windel
stets bedeckt bleibt.
In dem Topf unter der Windel sammelt sich nun eine Flüssigkeit,
die der Fachmann Würze nennt, dabei entsteht natürlich viel zu
wenig Flüssigkeit (ca. 1-1.5 Liter), so das wir das ganze auf
4-5 Liter auffüllen. Hierzu bringen wir die benötigte Menge Wasser
zum Kochen und geben sie mit einer Schöpfkelle lang-sam auf die
Maische, so daß diese ebenfalls durchsickert, bis genug Würze
vorhanden ist. Der Fachmann nennt diesen Vorgang läutern.
Beim Aufgießen des zusätzlichen Wassers sollten Sie darauf achten,
das die Maische gut ausgeschwemmt wird - schließlich wollen wir
ja allen wichtigen Bestandteile der Maische in der Würze wissen.
Vergessen Sie nicht, die Windel am Ende des Läuterns auszupressen
- damit auch wirklich die gesamte Flüssigkeit in die Würze fließt.
Messen des Würzegehalts
Den Würzegehalt mißt man mit der Bierspindel. Der Würzegehalt
bestimmt die Art des entstehenden Biers. Ein Vollbier besitzt
einen Würzegehalt zwischen 11 und 14%, ein Starkbier über 16%.
Sie können den Würzegehalt verringern, indem Sie der Würze Brauwasser
zufügen.
Das Hopfen Das Hopfen bestimmt den Geschmack des Bieres
wesentlich. Kleine Hopfenmengen erzeugen ein mildes Bier, große
Mengen ein kräftiges und bitteres Bier. Der Hopfen wird in die
Würze eingerührt. Bei unserem Beispiel sollte man 5g Hopfen für
ein mildes Bier und 10g Hopfen für ein kräftiges Bier wählen.
Das Abmessen von frischem Hopfen ist sehr kompliziert, so daß
gerade Anfänger Pellets benutzen sollten.
Das Kochen der Würze
Die Würze wird nun zusammen mit dem Hopfen bei mittlerer Hitze
gekocht. Dieser Vorgang dauert etwa 45 bis 60 Minuten. Natürlich
verdunstet bei einer solch langen Kochphase eine ganze Menge Flüssigkeit,
die mit frischem Wasser wieder aufgefüllt werden muß. Dieser Vorgang
hat eine starke Geruchsbildung zur Folge, so daß es ratsam ist,
alle Fenster zu öffnen.
Das zweite Filtern
Ab sofort muß sehr sauber gearbeitet werden, da jeder Fremdkörper
die ganze Mühe zunichte machen könnte. Die Würze muß nun gefiltert
werden, und zwar durch das Küchensieb, das mit einer vierfach
gefalteten Windel ausgelegt worden ist. Die Windel muß natürlich
auch sterilisiert (gekocht) worden sein. Da dieses Filtern unter
Umständen sehr lange dauern kann, schütten Sie nicht den ganzen
Topf in das Sieb sondern schöpfen Sie die Flüssigkeit mit einer
Kelle in das Sieb. Das Sieb können Sie auf einen sterilen Eimer
oder größeren Topf setzen.
Abkühlen und Hefen
Die Würze muß nun mit Hefe versetzt werden, zu diesem Zweck muß
die Flüssigkeit zunächst einmal abkühlen. Die Temperatur, auf
die abgekühlt werden muß, hängt dabei von der verwendeten Hefe
ab. Bei obergärigen Hefen muß die Würze auf 16 bis 22°C abgekühlt
werden, bei untergäriger Hefe auf 6 bis 10°C. Entsprechend dürfte
klar sein, daß sich obergäriges Bier leichter herstellen läßt.
Am besten läßt sich die Würze in einem kalten Wasserbad abkühlen,
ganz Eilige können dem Wasser (nicht der Würze!) auch Eiswürfel
hinzufügen. Während Sie auf das Abkühlen warten, sollte die Würze
unbedingt abgedeckt werden, damit keine Fremdkörper hinein geraten.
Bakterien
Aufgrund der Tatsache, daß unvergorenes Bier warm und süß ist,
ist es die ideale Spielwiese für alle Arten von Bakterien. Nichtsdestotrotz
- keine der Bakterien die sich im Bier ansiedeln können, sind
auch nur annähernd so gefährlich wie die allseits bekannten Salmonellen.
Die Bakterien im Bier sind nichts anderes als unmotivierte und
gelangweilte Quälgeister, die gerade nichts besseres zu tun haben
als den Biergeschmack zu beeinflussen. Diese Bakterien werden
Ihnen keinen Schaden zufügen (so brauchen Sie also nicht Ihr Selbstgebrautes
dem Abfluß zu überlassen, bevor es überhaupt eine Flasche zu Gesicht
bekommen hat - was Sie wohl eher um den Verstand bringen dürfte
als die Bakterien). Aus diesem Grund müssen Sie Ihr Bier auch
nicht in einem Operationssaal brauen, sondern ein gesundes Maß
an Reinlichkeit ist ausreichend.
Die Hauptgärung
Ist die richtige Temperatur erreicht, können Sie das aktuelle
Gefäß auch als Gärbottich benutzen. Allerdings sollten Sie noch
2 Liter für den entstehenden Schaum einplanen. Gegebenenfalls
müssen Sie die Würze in ein absolut steriles Behältnis umfüllen.
Fügen Sie der Würze nun die Hefe hinzu und verrühren Sie diese.
Der Topf muß nun sofort abgedeckt, jedoch nicht luftdicht verschlossen
werden, da beim Gären Gase entstehen. Der Topf muß nun ca. eine
Woche bei den bereits oben angesprochenen Temperaturen gelagert
werden. Wiederum empfiehlt sich die obergärige Hefe, die sich
unproblematisch lagern läßt. Die Hauptgärung ist abgeschlossen,
wenn der entstandene Schaum in sich zusam-mengefallen ist, und
sich die Hefe am Boden des Gefäßes abgesetzt hat. Wer ganz sicher
gehen will, kann auch mit der Bierspindel nachmessen: Sie sollte
einen Wert von 4.5 - 5% anzeigen. Liegen die Werte über diesen,
sollte man die Hauptgärung entsprechend verlängern.
Das Jungbier ist nun fertig und kann zur Nachgärung in Flaschen
abgefüllt werden.
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Quelle: BIER FÜR
DUMMIES dt. Ausgabe D.Kann, H. Latz-Weber und G.Mühlwitz
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