Dank europäischer Wurzeln brauchen amerikanische
Bierforscher nicht sehr weit reisen, um ihre Neugier zu befriedigen.
Amerikanische Biere sind auch in Europa präsent, sogar die der
erst vor Kurzem enstandenen Microbreweries. Nur wer die riesigen
nordamerikanischen Brauereien einmal wirklich persönlich kennenlernen
will, schnuckelige Gasthausbrauereien aufsuchen möchte, die
sehenswerten Bierfeste erleben und sogar in den Brauereimuseen
mitfeiern will, sollte unbedingt eine Reise ins Land der unbegrenzten
Möglichkeiten antreten. Es lohnt sich das Land zu besuchen,
das einst den Alkohol ächtete!
In den USA haben die Brauereien, wie in Deutschland, mit einem
stagnierenden Bierverbrauch zu kämpfen. In einigen Teilmärkten,
wie im Weinland Kalifornien, ist er sogar rückläufig. Während
die "Großbrauer" im Inland unter Absatzschwierigkeiten
leiden, liegen (deutsche) Importbiere und die "Kleinbrauer"
im Trend. In Deutschland ist die Situation ähnlich, nur umgekehrt.
Da die vielen Marken der neu entstandenen US-Microbreweries
und Gasthausbrauereien nicht wie die großen Marken national
in den USA erhältlich sind (im Ausland erhält man sie über spezialisierte
Importeure oft schneller), sind Bierreisen in den USA und Kanada
sehr beschwerlich und zeitaufwendig. Das Land ist riesig. Nur
wer sich mit den bekannten nationalen Marken von Anheuser- Busch,
Miller, Coors oder Stroh zufrieden gibt, kann mit einer Reise
nach New York oder Chikago schon zurecht kommen. Doch New York
ist nicht Amerika!
Wer hätte es gedacht: Über 1.000 Brauereien, können Sie über
den amerikanischen Kontinent hinweg ausfindig machen. Viele
so klein wie ein Handwerksbetrieb um die Ecke, einige schon
in der Größe einer Gasthausbrauerei, oder so groß wie Anheuser
Busch, die größte Brauerei der Welt. Der Biergigant produziert
jährlich allein soviel Bier wie alle 1.200 deutschen Brauereien
zusammen!
Die meisten der größeren amerikanischen Bierhäuser konzentrieren
sich auf die bekannten urbanen Regionen. Doch mindestens eine
Region verdient spezielle Erwähnung: der pazifische Nordwesten
- das Biernirvana, das versprochene, heilige Land für amerikanische
Bierforscher. Große Kneipen und Lokale, Microbreweries und
erfinderische Brauer konzentrieren sich hier. Was Silicon
Valley für die Computerfreaks ist, ist diese Region für die
Bierfreaks. Rund 30 Prozent des Hopfen der Welt werden hier
angebaut, zusammen mit 30.000 Tonnen Gerste.
Hier einige US-Bierhöhepunkte:
· Oregon hat die meisten Microbreweries pro Kopf, nämlich
eine für jeweils 50.000 Einwohner. Portland, in dem Sie nie
mehr als 10 oder 15 Minuten von einem "brewpub"
oder einer "Microbrewery" entfernt sind, gilt als
das München Amerikas.
· Boston bietet eine "Boston Kneipen Tour" und eine
einwöchige Brauereitour an der Küste Maine's an.
· Washington, D.C. verfügt über ein paar sehr schöne Biergärten.
Einige sind so groß, daß einige hundert Menschen im Freien
Platz finden.
· Denver ist Heimat des größten Bierlokals der Welt (Wynkoop).
Am besten kommen Sie auf dem amerikanischen Biermarkt mit
Führern und Zeitschriften zurecht, die sich um Ihren Bierwissensdurst
kümmern. Einige gute Bücher verzeichnen Kneipen und kleine
Brauereien, andere enthalten nur Bars. Zwei Zeitschriften
(Beer Travelers und Brew Magazine) widmen sich völlig dem
Bierreisenden auf der Suche nach neuen Kneipen und Microbreweries.
Halten Sie einfach Ihre Augen danach offen und erkundigen
Sie sich. Ein unternehmungslustiger Künstler hat sogar eine
Straßenkarte für alle Brauereien (Coop's) hergestellt. Empfehlenswert
ist auch die Zeitschrift "American Brewer" (im Internet
unter www.ambrew.com)
von Bierexperte Bill Owens.