Großbritannien mag zahlenmäßig zwar im Vergleich
zu Deutschland an Brauereien unterlegen sein, aber was die Vielzahl
der angebotenen Biere (Hunderte) und die bloße Zahl der Pubs und
Kneipen anbetrifft (über 80.000), da können die Inselbewohner
durchaus mithalten. Und auch der Pro-Kopf-Konsum kann sich mit
rund 103 Liter sehen lassen.
Großbritannien ist - nach Deutschland - der zweitgrößte Bierproduzent
Europas - verfügt aber nur noch um etwa 85 Braustätten, 130 Kleinbrauereien
und 150 Pubbrauereien. Es ist aber dennoch ein hartes Stück Arbeit,
auf einer Bierreise über die Insel auch nur einen kleinen Prozentsatz
von allen Brauereien, Pubs und Kneipen zu besichtigen, vor allem
wenn der berümt berüchtigte Nebel das Land überzieht.
Großbritannien ist in der Welt die Bierfestung des Ales und Lagers.
Ähnliches gilt für die USA, wo eine Handvoll große, nationale
Brauereien den Markt beherrschen.
Skol!
Die Herkunft des englischen Wortes Skull (Totenschädel) ist
eine Geschichte, die ihren Platz nicht nur an Lagerfeuern hat:
Die grausamen nordischen Krieger, ständig betrunken und kampfeslustig,
hatten ein ganz besonderes Hobby. Um ihre Siege ausgiebig zu,
feiern tranken sie Bier aus den Schädeln ihrer gefallenen Gegner,
dabei stießen sie mit dem Work Skol (skull!) an.
Die über 280 Gasthausbrauereien und regionale Brauereien sind
es, die auf der Insel die interessanteren und würzigeren Varianten
der traditionellen Arten für passionierte Verbraucher produzieren.
Ihre besondere Stärke ist Ale im Faß (nicht pasteurisiertes,
ungefiltertes, natürliches und handgezapftes Bier) auch "Real
Ale" (echtes Ale) genannt und Stout, das dunkle, sahnige
Bier. Diese delikaten Brauerzeugnisse werden vor Ort behandelt
wie abgefüllte Gutsweine in Frankreich, und das hat seinen Grund:
Sie werden - im Gegensatz zu den Bieren der großen Braukonzerne
- nicht exportiert - man muß sie vor Ort trinken, um in ihren
Genuß zu kommen. Ironischerweise wird das Bier, das von den
nationalen britischen Braukonzernen produziert wird (wie Bass)
als erstklassiges Premiumbier in den USA anerkannt. Kurz gesagt:
Genug Gründe um nach Großbritannien zu reisen.
Fast jede Bar oder Pub bietet im vereinigten Königreich das
britische Standardbier Bitter an. Aber Bitter ist nicht "bitter".
Vielmehr ist es ziemlich leicht, besitzt nur wenig Kohlensäure
und ist mit einem relativ geringem Alkoholgehalt versehen. Die
Bezeichnung "Bitter" stammt noch aus der Zeit, als
der Hopfen erstmals benutzt wurde.
Nicht alle Pubs bieten eine breites Biersortiment an, aber viele
führen die grossen, kräftigen und dunklen Biere, wie schottisches
Ale, altes Ale und Barleywines (siehe auch Anhang A). Sie sind
so stark, daß Sie schneller unter dem Tisch liegen als Sie "
Llanfairpwllgwyngyllgogerychwyrndrobwllllantysiliogogogoch"
sagen können (das ist übrigens der Name der Stadt in Wales,
die sich rühmen darf, den längsten Namen in der Welt zu haben).
Das liegt zum Teil auch daran, daß die Inselbewohner in traditionellen
Pint-Gläsern (0,57 l) ihr Bier zu sich nehmen, randvoll und
mit möglichst wenig Schaum.
Viele der Pubs in Großbritannien sind "gebundene Häuser"
(wie auch in Deutschland größtenteils üblich). Sie gehören meistens
einer Brauerei an und dürfen nur deren Biere führen. Seit 1989
mußte die Zahl dieser Brauereipubs drastisch reduziert werden.
Ein Dekret der Monopolkommission MMC wollte es so, um den Pächtern
mehr Rechte auf Fremdbiere einzuräumen. Man schätzt die Zahl
der gebundenen Pubs heute auf rund 61.000. Zu erkennen sind
sie leicht an den Außenreklameschildern und der standardisierten
Inneneinrichtung. Wenn Sie weniger bekannte Biere versuchen
möchten, sollten Sie die fest gebundenen Häuser meiden. 19.000
freie Lokale (Freehouses) bieten mittlerweile genügend Auswahl.
Gasthausbrauereien sind wie auch anderswo derzeit recht populär.
Eine weithin bekannte Kette ist ".. &Firkin" (
firkin = 40 l-Fäßchen). Beliebt sind Namen wie Fuchs & Fäßchen,
Falke & Fäßchen etc.
Beliebte Pubspiele
Unabhängig vom Eigentümer oder der Bierauswahl eines Pubs,
sind Spiele in Großbritanniens Kneipen sehr populär. Sie gehören
zur britischen Bierkultur - immerhin zwei Drittel des Bieres
wird als Faßware ausgestoßen - wie das Bier selbst. Sie sind
der "Spaß zum Bier".
Weit verbreitet sind insbesondere die Dartspiele (das mit den
Pfeilen). Sie sind so selbstverständlich wie der alltägliche
Biergenuß. Aber es gibt auch andere, weniger bekannte Spiele
- wie cribbage, ein beliebtes Kartenspiel. Domino und die britischen
"skittles", eine Art Tisch-Version des Bowlings/ Kegelns
sind ebenfalls häufig anzutreffen. In Deutschland sind "Skat"
und Würfelspiele mit dem "Knobelbecher" sehr beliebt.
In Großbritannien gibt es eine Kampagne für "echtes Ale"
(CAMRA). Sie ist die Informationsquelle für gutes Bier. Nicht
nur das sie die Bevölkerung über traditionelles Faßbier aufklärt,
sie veröffentlicht auch in sehr ausführlichen Reiseführern vielfältige
Informationen rund ums Bier (z.B. Gastronomietips, etc.). Sie
sind für den bierorientierten Touristen ein ideales Nachschlagewerk.
Die Anmerkungen umfassen unter anderem auch Hinweise zu Lokalen
wo beispielsweise noch ein "echtes Kaminfeuer" zu
erleben ist, und nennen die vorhandenen Räumlichkeiten für Familienfeiern
und die traditionell verbreiteten Pubspiele: "The Good
Beer Guide" verzeichnet über 5.000 Pubs in Großbritannien
(England, Wales, Schottland, Nordirland und den Kanalinseln),
die nach Grafschaften sortiert aufgeführt sind.
Warm ist die Norm
Vielleicht haben Sie es schon einmal gehört, daß die Briten
ihr Bier warm trinken. Warm ist natürlich eine Frage der Definition.
Verglichen mit den eiskalten Temperaturen mit denen ein US-Lager
serviert wird, ist ein britisches Ale warm. Aber versuchen Sie
einmal, ein "warmes Bad" zu nehmen, wenn die Wassertemperatur
gerade mal 13 Grad Celsius beträgt. Es wird Sie frösteln! Und
diese Temperatur wird als "normal" für die meisten
englische Ales betrachtet. Aus triftigem Grund: Produkte, die
warm vergoren werden, können ihre Qualitäten nicht völlig entfalten,
wenn sie zu kalt getrunken werden.
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