Wir haben keineswegs in den Geographiestunden
geschlafen und wissen durch-aus, das Pilsen nicht in Deutschland
liegt, trotzdem soll es hier Erwähnung finden. Schließlich ist
Pilsen der Geburtsort des Bieres Pilsener Brauart, dem beliebtesten
Bier der Deutschen. Aber auch andere Städte in der heutigen Tschechoslowakei
können auf eine bedeutende Biertradition zurückblicken.
Um die letzten Zweifel über unser Geographiekenntnisse zu zerstreuen,
wollen wir doch mal sehen, wie es mit Ihren Geschichtskenntnissen
steht: Schon ein-mal etwas über Böhmen und Mähren gehört? Da war
doch was - genau! Seit 1526 wurden Böhmen und Mähren durch die
österreichischen Habsburger re-giert und 1918 wurde der tschechoslowakische
Staat gegründet. Zur Zeit der österreichischen Regierung trug
die Stadt Ceske Budejovice zum Beispiel den Namen Budweis, die
Hopfenstadt Zatec hieß Saaz und Plzen schlicht und er-greifend
Pilsen.
Böhmen und Mähren, heute Bestandteil der tschechischen Republik.
1295 war ein Meilenstein in der Pilsener Biergeschichte - König
Wenzel ver-lieh der Stadt Pilsen das Braurecht. Im nachhinein
gesehen eine weise Ent-scheidung, denn stellen Sie sich vor das
Pilsener wäre den Kölnern zu verdan-ken, wir hätten dann Kölsch
und Kölner - wer würde da noch durchblicken? Nichtsdestotrotz,
es war das Jahr 1842 in der die Stadt Pilsen zu Weltruhm gelangte,
als die dortigen Braumeister als erste eine neue Biersorte vorstellten:
das Pilsener.
Der wahre Biertrinker weiß ein gutes Pils zu schätzen, der paranoide
Biertrin-ker trinkt ein Pils nur, wenn die Gerste aus Böhmen und
der Hopfen aus Saaz stammt. Nun, jedem das seine! Viele Brauer
scheinen allerdings auch daran zu glauben, denn sie importieren
den Saazer Hopfen um ein Original Pilsener her-stellen zu können.
Viele benutzen allerdings auch ähnliche Hopfen aus der Hal-lertau
- eine durchaus praktikable Lösung.
Nun, so clever die Pilsener Brauer auch waren - eins haben sie
vergessen: die Markenschutzrechte. So ist aus dem Bier Pilsener
Brauart keine Marke, sondern eine Gattung geworden. Erst 1898
kamen die Brauer auf die Idee, ihre Rechte schützen zu lassen
- natürlich viel zu spät. Aber da man einmal dabei war, ließ man
sich den Markenbegriff "Pilsner Urquell" schützen, der
heute weltweit Gültigkeit hat. Dieses Pils wird noch heute von
der Brauerei gebraut, die das Pils als erstes auf den Markt gebracht
hat, und somit die Mutter aller Pils-Sorten ist.
Nun, wie kommt es aber, daß eine neue Biersorte Ihren Siegeszug
um die ganze Welt antreten konnte? Schmeckte es besser als die
bisherigen Biere? Die Ant-wort ist ganz einfach: das Glas! Pils
ist ein klares und helles Bier, die damalig populären Biere waren
aber fast ausschließlich dunkel und viele auch hefetrüb. Ein Umstand,
der in Steinkrügen und Holzgefäßen nicht sonderlich auffiel, bei
Gläsern aber gleich ins Auge stach. Es war einfach schick ein
Bier zu trinken, das klar und ohne Rückstände im Glas schön anzuschauen
war.
Ceske Budejovice (Budweis)
Wer schon einmal in Amerika gewesen ist, kennt es: Budweiser
aus Dosen oder der Longneck-Flasche. Aber wie kommt die amerikanische
Brauerei Anheuser-Busch dazu, Bier zu brauen, das nach einer
tschechischen Stadt benannt ist, und wieso heißt es in Deutschland
einfach nur AB, und nicht Budweiser? Eine gute Frage die tief
in der Historie der Brauerei Budweis verankert ist!
Die Antwort ist im Prinzip ganz einfach - das amerikanische
Budweiser ist nach der Stadt Budweis benannt worden, genauso
wie ein anderes Bier von Anheu-ser-Busch nach der tschechischen
Stadt Michelob benannt worden ist. Anheu-ser-Busch muß schnell
klar geworden sein, das sie nicht einfach ein Bier he-rausbringen
können, dessen Name in keinster Weise rechtlich geschützt werden
kann, denn wie jedem klar sein dürfte hätte die Budvar-Brauerei
in einem Na-mensstreit keineswegs den Kürzeren gezogen. Also
einigte sich Anheuser-Busch 1917 mit Budvar auf folgendes: Anheuser-Busch
erhielt die alleinigen Rechte für den Gebrauch des Namens Budweiser
in Nordamerika, dafür ver-pflichtete er sich, Hopfen von Budvar
zu kaufen, und strenge Qualitätskontrol-len anzusetzen.
Nachdem der Vertrag unterschrieben war, hat es Anheuser-Busch
allerdings geschafft große Mengen Bier zu produzieren, ohne
ein einziges Gramm Hopfen aus Budweis bezogen zu haben. Ein
Umstand, der für Budvar eine klare Verlet-zung des Vertrages
darstellte und so klagten sie noch im selben Jahr vor dem Weltgerichtshof
in Den Haag. Dieser Streit wird noch heute vor vielen nationa-len
Gerichten ausgetragen, denn der Weltgerichtshof hat beschlossen,
das An-heuser-Busch den Namen Budweiser nicht in Europa benutzen
darf. Ein Man-ko, das die weltgrößte Brauerei natürlich nicht
auf sich sitzen lassen kann. Budvar wird übrigens gerade privatisiert,
und nun raten sie mal, wer erst vor kurzem eine Minderheitsbeteiligung
bei der tschechischen Brauerei ergattert hat ...
Wie man der Geschichte der Stadt Pilsen entnehmen kann, ist
die Tschecho-slowakei nicht nur berühmt für das Pilsener Bier,
sondern sie ist auch ein be-deutendes Hopfenanbaugebiet. Bereits
859 wurde der Hopfenanbau in Böhmen schriftlich erwähnt. Und
die Exklusivität des Hopfens wurde eine ganze zeit lang schlicht
und ergreifend dadurch gesichert, das die Ausfuhr von Hopfen-stecklingen
aus dem Land verboten war. Nun, Sie werden nun sicher denken
das Hopfen gleich Hopfen, ähnlich wie Apfel gleich Apfel ist,
aber weit ge-fehlt! Es gibt zwischen dem Saazer Hopfen und zum
Beispiel dem Hallertauer Hopfen durchaus Unterschiede im Aroma.
Der Hallertauer Hopfen wird übri-gens auch in Hersbruck - nördlich
von Nürnberg - angebaut, wo aber auch eine eigene Hopfensorte
aufgezogen wird. Ein weiteres Hopfenanbaugebiet ist Tett-nang
in Baden-Württemberg. Aber auch andere Länder, wie zum Beispiel
Bel-gien, Großbritannien und die USA züchten ihren eigenen Hopfen
- nicht um-sonst machen die deutschen Brauereien Werbung mit
dem von ihnen benutzten Hopfen ...
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